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Mittwoch, 18. November 2009

Moais im Regen

Wir hoppen durch den Pazifischen Ozean und die erste Insel, auf der wir landen ist 'La Isla de Pascua' - im Original, Rapa Nui, oder wie man es bei uns besser kennt die Osterinseln.

Wir campen unweit des Zentrums von Hanga Roa, der Hauptstadt der zu Chile gehoerenden Inseln.
Unser Zelt ist fast direkt am Meer, der erste Blick geht auf die Steilwaende und Kliffs des Vulkans und auf die tobenden Wellen davor.
Wir treffen hier auch Sonia und David wieder, zwei Langzeitreisende, die wir in Bolivien kennengelernt und mit denen wir uns hier verabredet haben - die Welt ist klein.

Gleich der erste Ausflug zum kleinen Hafen bringt uns der Geschichte der Insel naeher. Unweit am Meer stehen die ersten Moais. Die beruehmten Steingesichter mit dem erhabenen Blick und dem coolen, entschlossenen Lippen. In voller Pracht ist der rote Hut nicht zu vergessen.
Wir erinnern uns beide nicht mehr an den Film. Juergen fragt sich die ganze Zeit, warum sie landeinwaerts gucken. Spaeter wird es noch verwirrender, als wir ganz viele sehen, die wiederum seewaerts blicken...
Was Juergen noch wusste war, das viele durch Stammesfeden von den Maoris selbst umgeworfen wurden. Was heute zu weniger beeindruckenden Fotos fuehrt.

181120092128.jpg Wo der hinguckt ist klar...

Der Ausflug zu Fuss fuehrt uns weiter die Kueste entlang zu weiteren Felsengesichtern und heiligen Orten. Leider spaeter komplett im Regen, sodass wir nach fuenf Stunden pitsch nass und per Anhalter wieder zurueck in Hanga Roa sind.

Am letzten Tag gehts trocken und mit ein wenig Sonne mit dem Fahrrad um die Insel, nicht viel groesser als eine Halbtagestour und gut zu machen. Ziel ist, den spannenden Entstehungsort der Moais zu besichtigen. Gemeint ist damit nichts weniger als der Steinbruch, wo die Fratzen aus dem Vulkangestein gehauen wurden. Einige sind noch unvollstaendig zu besichtigen. 181120092152.jpg Schlafend, irgendwie...

Drumherum saeumen Dutzende fertiggestellte, aber noch nicht so recht aufgepflanzte das Areal.

181120092136.jpg Sehr durcheinander

181120092154.jpg Sehr ernst

181120092143.jpg So guckt Juergen wenn er grad sehr zufrieden mit sich ist

Hier die Restaurierten: 181120092161.jpg Aber wo schauen sie hin!?

Im Gegensatz zu uns schaffens die Raeder nicht heil zurueck. Da Melanie die Pedale verliert muessen wir stoppen. Ein Kleinbus voller Japaner haellt aber zum Glueck an und nimmt uns auf halber Strecke mit zurueck ins Dorf (die Bergetappe bleibt uns erspart, hae hae).

Drei Tage Regen und viele Moais und wirklich sehr sehr nette Leute hier - jeder gruesst jeden (und nimmt jeden mit wenn notwendig)
Jetzt hoffen wir auf Suedsee Wetter und freuen uns sehr auf unsere Zeit auf Tahiti, franzoesisch Polynesien und den Cook Islands.

Quizfrage:
Auf dem Weg nach Rapa Nui passieren wir ein sehr kleines Eiland. Wer kann uns sagen, was das war?

151120092105.jpg Kleiner Tip, die Geschichte dazu kennt jeder!!! ;-)

Sonntag, 15. November 2009

Santiago

'Not much to see...', 'Paris it ain't...', 'The city in two days...', 'Smoggy, ugly and dirty...'

Leute, wir wissen nicht wo ihr wart, aber sicher nicht in Santiago!

Das Einzige, was wir an Santiago nicht so toll fanden war unser Hostel. Aber das haben wir uns selbst zuzuschreiben. Die 'Casa Roja' ist eine Villa mitten in der Stadt mit Garten, Pool, Jacuzzi, drei Wohnzimmern, ... Super eigentlich, aber viel zu gross und mit viel zu vielen jungen besoffenen Backpackern. Aber wie gesagt ein wenig selber Schuld, das Blubberbad klang zu verlockend ;-)

131120092084.jpg Sieht auch ganz nett aus, oder? ;-)

Leider verbringen wir einen ganzen Tag mit Erledigungen, wir muessen mal wieder zur Post - Winterklamotten loswerden - wir suchen Reisefuehrer fuer Tahiti und Asien, wir brauchen Buecher fuer den Strand, USB Sticks fuer Foto-Backups, ...
Bei uns zwei Stunden, hier ein Tag und noch nicht mal alles geschafft.
Aber wir schlendern dabei auch eher gemuehtlich durch die Stadt, die uns auf Anhieb sehr gut gefaellt. Wir besichtigen 'La Moneda' - den Praesidentenpalast, wo Allende gestuerzt und ermordet wurde. Zum Abschluss des ersten Tages wandern wir auch ueber Santa Lucia - einen gruenen Huegel mitten im Zentrum mit tollem Blick in und ueber die Stadt.

121120092080.jpg Nette Atmo!

Wir wandern durch die Innenstadt, fahren U-Bahn und sitzen auf dem Hauptplatz. Wir besuchen den Parque por la Paz. So heisst die Villa Grimaldi heute, in der waehrend der Diktatur gefoltert und gemordet wurde. Fuer das Museum von Pablo Neruda kommen wir leider etwas zu spaet. Wir geniessen das Viertel Bellavista, die Patios, Bars und Restos dort.

131120092089.jpg

Juergen laesst sich verfuehren und trinkt Salzburger Bier... 131120092088.jpg Es war ein Fehler... mehr sag ich nicht...

Wir gehen ins Kino und sehen fast einen ganzen Film, bis der Beamer den Geist aufgibt.
Fahren mit der Drahtseilbahn auf den Maria Huegel. 141120092094.jpg (Blick oben drueber)

Kurz gesagt, wir moegen diese Stadt. Sie hat von allem ein wenig. Das macht sie spannend und ueberall ist ein Schuss Exotik und Moderne dabei, was sie unseres Erachtens unverwechselbar und einzigartig macht.

Sonntag, 8. November 2009

Chile al final

Long timw no hear!!! Aber es ging leider nicht anders - wir sind im wahrsten Sinne des Wortes untergetaucht :-) Mehr dazu aber spaeter...

Der schoenste Tag, den wir neben denen im Torres del Paine auf dem Land in Chile - Santiago ist nochmal ganz was anderes - verbracht haben, war der Tag im Nationalpark 'Altos de Lircay'. Ein einladender Weg zum Aussichtspunkt Enladrillado.

111120092079.jpg Wir waren durch die letzten Maersche etwas verwoehnt, was die Landschaft betrifft - hier war es nicht soo atemberaubend - dafuer das Wetter umso amgenehmer, fuer uns schon ein richtiger warmer Sommertag. Besonders nach der kalten und feuchten Zeit auf Chiloe eine willkommene Abwechslung und die Einstimmung auf generell waermere Monate.
In derUmgebung gibt es ansonsten auch noch mehr von dem guten chilenischen Wein ... Sehr schoen hier101120092077.jpg Links und rechts der Strasse VinoVino Vino

Rueckblick:
Die zweitgroesste Insel Suedamerikas ist ein mit dem Bus gut erreichbarer Flecken.

Hoehepunkte der Insel sind Holzkirchen - ganz aus Holz 091120092076.jpg - und die Meeresfruechte - frisch aus dem Meer.

091120092073.jpg Dazu passend ueberall Fischerboote im Wasser

Angekommen sind wir aus Puerto Varas, einem kleinen Touri Ort knapp ueber Puerto Montt an der Kueste. Puerto Varas war keine Reise wert, hauptsaechlich aber wegen dem Wetter, um den schoensten Vulkan der Welt haben sich leider Wolken gehuellt . Den entsprechenden Ausflug verschieben wir aufs naechste Mal.

Schon die Fahrt nach Chile war regnerisch, wobei wir beim Passieren der Anden nochmal richtig Schnee hatten, fast ein Meter am Strassenrand und das auf kaum 2000 Meter.

041120092046.jpg Eine malerische Strecke, das Anden Crossing auf dem Pferderuecken wegen der Wetterlage auch beim naechsten Mal ;-)

Auch Bariloche (Arg.) war leider mit einem Regentag versehen. Aber so richtig. Ein kompletter Tag (Salzburger) Schnuerlregen.
Wir haben aber die Zeit gut genutzt um zu schreiben, die naechsten Tage zu planen und das Wichtigste - Essen zu gehen. Wir haben ein Parilla-Resto entdeckt, hmmm, umwerfend! Einfach nur Lomo - medium, Ensalada, Papas Fritas, eine Flasche Malbec dazu, fertig. Der Grillmeister bedient, very charming. Wir gehen zweimal hin - Ausrufezeichen!

In Bariloche unternehmen wir ansonsten einen Ausflug mit dem Rad, auch hier folgt (dank seherischer Kraefte) Sonne auf Regen, in der superschoenen Umgebung von Bariloche.

061120092056.jpg

Den Ausflug verbinden wir mit der Erfuellung eines langgehegten Wunsches von Melanie, einem Wellness-Tag. Dank des Tips aus unserem Hostel, in einem netten Resorthotel am See, gar nicht teuer und ganz fuer uns allein 8-), da wohl nur zur Geldwaesche betrieben.
Mal wieder ein Laufband bestiegen, zwei drei Saunagaenge, ein paar Runden durch den geheizten Outdoorpool... 061120092057.jpg ... ahh!
Genau das Richtige nach der Fahrradtour, die uns durch die Huegel- und Seenlandschaft fuehrt. Wir sind auch mehr als geschafft. Die Berge sind nicht ganz ohne, aber wir nutzen die vier Stunden Mietzeit gar nicht ganz aus, zu schnell gehts zu schoenen Aussichtspunkten, malerischen Bruecken und durch dichte Waelder.

Die Fahrt zwei Tage zuvor nach Bariloche war, wie angekuendigt, anstrengend. Die famose Route 40 ist weniger spektakulaer als erhofft und als der Bus den Geist aufgibt, zwingt uns das (ca. 30 Mann) zu einer fuenfstuendigen Tankstellen Besetzung im Nirgendwo. Alle sind hier freundlich und freuen sich ueber leergekaufte Regale.

Die Fahrt bringt uns bis dahin zwei Naechte und einen vollen Tag durch wuestenaehnliche Pampa mit nicht viel mehr als ein paar Huegeln, Grasbuescheln, mal ne Kuh, mal n Pferd, mal n Schaf, auch mal n Lama und ganz selten n Roadrunner.

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Im Bus passiert nicht viel, mal ein Film, dann Musik und so suesser alter Kaffee, das man den Loeffel noch nicht mal in den Kaffee rein bekommt.

031120092041.jpg Nicht viel, einfach.

Wir passieren die beruehmten Hoehlen 'Cavas de los Manos', wo sich laut Melanie die lokale Bevoelkerung einen Jux daraus macht, Handabdruecke auf die Waende zu druecken, um Touristen hierher zu locken. Es gibt ja sonst nichts. Klingt einleuchtend.

Weiter geht's auf unserer Reise in die Hauptstadt Santiago.

Patagonien

Eine Woche auf nem Boot verlangt Bewegungsausgleich, also hop, wieder rein in die Wanderschuhe. Auf geht's. Am ersten Tag zum lokalen Minigletscher Martial in Ushuaia. Der Aufstieg ueber die kleine Skipiste ist nicht allzuschwer und der Gletscher ist wirklich nicht gross und aufgrund von Schnee eigentlich gar nicht zu sehen...

241020091929.jpg

Am naechsten Tag fahren wir zum Nationalpark Tierra del Fuego, der ist schon groesser.

Wir gehen den 12 km langen Kuestenweg. Es ist kuehl, etwas neblig und hier - am Ende der Welt - sieht es aus wie zu Haus.

251020091933.jpg

Eine Mischung zwischen mitteleuropaeischem Laub- und Nadelwald, Heide und der Ostsee, Juergen erinnert es auch an das Salzkammergut, das Salz im Wasser mal weggedacht.

Manch eine Strasse endet hier 251020091934.jpg und fuer Argentinien steht hier die Post del  Fin del Mundo. Viele kommen auch her, um sich den Pass stempeln zu lassen. Ach ja natuerlich...Melanie auch. Zwei Pinguine, eine farbige Argentinienflagge und ein Smiley schmuecken jetzt Seite 16 ihres Passes... (Juergen ist ja nur neidisch, weil er sich nicht einen neuen Pass mit 48 statt 32 Seiten bestellt hat und er jetzt mit dem Platz sparen muss... koennte schwierig werden... allein vom hin und her zwischen Argentinien und Chile kommen am Ende 20 Stempel zusammen).

Nach fast zwei Wochen in Ushuaia wird es Zeit, weiter zu fahren. Es warten weitere Parks und Fussarbeit auf uns.
Als erstes und etwas ueberhastet oder auch nicht aufgepasst - anders gefahren waere eigentlich besser gewesen - geht es ueber Rio Gallegos (sprich: Rio Gaschegos... einziges Sonntags-Highlight der Stadt war das Boca Jrs. vs. Riverplate Spiel im TV (1:1 mit einem perfekten Duseltor von wem? Ja genau, Martin)) nach El Calafate.

Das kleine Touridorf ist Ausgangspunkt fuer unsere naechste Station in Patagonien, den Gletscher Perito Moreno.
Komplett verschneit erwartet uns ein riesiger blau glitzernder Felsen aus Eis.  Juergen dachte ja immer das Blau auf Fotos ist ein bisschen nachgedingst, aber stimmt nicht.
Ab und zu donnern Massen aus Eis in den See, in dem dann blaue Eisberge treiben. Ein klasse Anblick.
img_6776.JPG

Wir bleiben noch einen Tag in El Calafate und organisieren die kommenden Trekking Tage auf chilenischer Seite, im Nationalpark Torres del Paine. Dazu muessen wir aber erst wieder ein paar Stunden zurueckfahren, nach Puerto Natales, dahin, wo wir ganz zu Anfang haetten hinfahren sollen, als wir beim Busticketsbuchen nicht aufgepasst haben.

Im Park machen wir das 'W' von West nach Ost (ein W-anderweg). Jaja, so stehts auch im Lonely Planet, vor allem aber weil wir einen direkten Anschluss zurueck nach El Calafate haben. Etwas teurer, aber das erspart uns eine weitere Nacht in Puerto Natales.
Das W bedeutet drei Taeler und ca. 150 km Wege. Mit den drei beruehmten Torres als 'kroenendem' Abschluss.

Mit dem Kat setzen wir ueber den See und gehen am ersten von vier Tagen den ersten Schenkel des W zum Gletscher Grey. Wir uebernachten im Zelt, die man sich in den Refugios ausborgen kann. Nein, kalt wars eigentlich nicht, auch wenn es nachts auch schon mal schneit. (Ein Juergen Satz ;-)).
Am zweiten Tag geht es weiter, ueber das Camp Britanico zum Zeltplatz am Refugio Pehoe. Die hellen Felsen immer im Blick img_6897.JPG, das Wetter perfekt zum Marschieren. 291020091975.jpg Schoene Strecke, abwechselungsreich zwischen Wald, Gletschern, Plateau.
2910200919801.jpg
Am dritten Tag weiter zum Fusse der Torres, zum Refugio Chileno. Da nach einem kurzen Wintereinbruch oder auch Schneesturm (das ist vielleicht immer ein Wind hier...) noch mal kurz die Sonne rauskommt, entscheiden wir uns, noch zu den Torres aufzusteigen, wer weiss (hier wirklich niemand!), wie das Wetter am naechsten Tag wird. Der Aufstieg ist kuerzer als gedacht (am Ende aber auch viel steiler als erhofft, deswegen ist Melanie auch so rot auf dem Foto ;-)) und vor uns haben wir die drei Tuerme ganz fuer uns allein, herrlich.

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Die Nacht wird windig und schneeig (ein Juergen Wort ;-)). Am naechsten Morgen kaum besseres Wetter, aber Juergen macht sich nochmals auf den Weg rauf. Der Blick ist auch kein anderer als vorher, die Torres stehen noch.

Naja, ein bisschen mehr blau... 311020092010.jpg

Nach vier Tagen kommen wir muede aber wieder mehr als fit in El Calafate an. Eine Nacht bleibt zum Ausruhen, bevor wir am naechsten Tag weiter nach El Chalten fahren. (Juergen verwirren die Namen hier... ;-).

El Chalten ist das argentinische Wanderparadies ('la capital del trekking'), rund um das Massiv des Fitz Roy. Wir nehmen uns zwei Tage Zeit und machen uns gleich am ersten auf zum Plateau am Fitz Roy. Die Strecke gefaellt uns fast besser als im Torres del Paine. Kleinere, nettere Wege, Bergseen und irgendwie eine noch abwechslungsreichere Landschaft 011120092014.jpg. Das Wetter bleibt schoen und so zeigt sich der Gipfel in voller Pracht.

011120092023.jpg

Der Zweite Tag verlaeuft nicht so aufregend. Ziel ist der Gletscher am Fusse des Torre Solo. Durch viel Pampa kommen wir am Gletscher an, rundherum sieht es eher aus wie ein Gesteinsbruch (ein Melanie Wort ;-)). Und es zieht mal wieder ein eiskalter, starker Wind durch die Lande, brrr. Unser Picknick muessen wir aufgrund dessen in die paar Buesche drumherum auf die andere Gesteinsbruchseite verlegen, ohne Gletscherausguck :-(. (Dafuer um eine Porsche-Design-Fake Sonnenbrille reicher.)

Der Rueckweg durch ein anderes Tal wird umso schoener. 021120092031.jpg

Noch schoener der Abend beim Essen mit Locro (Eintopf) und Sorrentini quatro queso. 021120092034.jpg Etwas verzerrt aber wohl auf.

Inzwischen haben wir einiges an Kilometern abgespult. Uns geht es aber entsprechend gut, Sauerstofftanks mehr als voll, Auswirkungen aufs Gehirn noch nicht ganz absehbar. Ansonsten Plattfuesse eben und die Handgelenke tun uns beiden weh (!?).

Wir verlassen Suedpatagonien ueber die beruehmte Route 40 nach Norden bis Bariloche. Es wird eine 33-stuendige Busfahrt, vor der wir mehr Respekt haben als vor den zurueckliegenden Gipfeln.

Freitag, 23. Oktober 2009

Cabo de Hornos

16.10.09 Ushuaia, AFASYN Hafen (54°48'44" S; 68°17'42" W)
1100 Wir, das sind Wolf, David, Tomi, Melanie und Juergenimg_5824.jpg, bringen unser Gepaeck an Bord der Segelyacht Santa Maria Australis.

Die letzten Erledigungen sind abgeschlossen.
Das Boot ist riesig. Eigene Koje mit Bad. Wir richten uns kurz ein, ziehen uns an und werden erstmal kurz eingewiesen.

Das Schiff, img_6538.JPG ein Hammer, 20 Meter lang, Leinen ueberall (ja, Juergen ist noch etwas ueberfordert), zwei Masten, Genua (allein die hat 93 qm), Fok, Grosssegel, Besan, ein Zodiak am Bug, Kajak, ...
Drinnen alles was man braucht. Kueche, Esstisch, Ofen, Herd, 2.500 Liter Wasser, 5.000 Liter Diesel... In Summe 45 Tonnen, Alu und Teak - hier laessts sich aushalten!

161020091874.jpg

Um 1200 werden die Motoren gestartet und wir verlassen den Hafen in Richtung Puerto Williams (Chile) fuer den Grenzuebergang.
Wir setzen Segel (Juergen dreht sich an der Winsch im Uhrzeigersinn einen Wolf (was fuer ein Wortspiel), bis zum Tip von Wolf - andersherum gehts einfacher ;-)) und bei gutem Wetter und kraeftigem Wind (30 Knoten) gehts zuegig dahin.
Wir erreichen den Hafen puenktlich fuer das Beamtentum. 161020091882.jpg
Ankern, Ankerbier, Abendessen (Pasta mit Tomatensosse, Vino).

Zur Orientierung, hier sind wir... 161020091884.jpg

161020091887.jpg ... und da wollen wir hin!

17.10.09 Puerto Williams Hafen (54°56'7" S; 67°36'20" W)
0800 Fruehstueck. Das Barometer faellt. Wir erwarten ein Tiefdruckgebiet aus Westen. Wir setzen Kurs Richtung Isla Lennox. Im Moment Sonne und bestes Segelwetter. Es geht mit guten 8 Knoten durch den Beagle Kanal. 171020091892.jpg Wunderschoen, das Boot schneidet durchs Wasser, wir geniessen das Meer, die Wellen, den Wind. Juhuu, einfach genial!

atw-091019-chile-19-isla-herschel-caleta-martial-to-cape-horn.jpg  171020091893.jpg

Die Landschaft erinnert uns an den Norden Europas. Ab und zu tauchen aber Pinguine auf. Die ersten Albatrosse jagen ueber die Wellen. Super schoen mitanzusehen. Es ist das Ende - fuer uns aber vielmehr der Anfang - der Welt. 8-)
Juergen am Steuer des 40 Tonners und fuehlt sich wohl dabei!
Wir ankern vor Lennox und gehen an Land, ein kleiner Spaziergang. Das Barometer faellt immernoch. Der Blick auf die Wettervorhersage verheisst nichts Gutes.

191020091899.jpg 50 Knoten ist wohl nur eine sehr konservative Vorhersage. Wolf rechnet mit 60, vielleicht 70.

18.10.09 Isla Lennox (55°17'18" S; 66°80'00" W)
0730 Fruehstueck. Schoenes Wetter. Barometer faellt aber weiter. Wir gehen Segeln! :-)
Auf dem Weg zur Caleta Martial verschlechtert sich das Wetter sichtlich und spuehrbar - harte Arbeit hinterm Steuer. atw-091019-chile-18-isla-herschel-caleta-martial-to-cape-horn1.jpg Es wird noch windiger. Wir machen das Boot sturmfest. Melanie haelt kurz Ausschau nach Delfinen. Die schnellen und hohen Wellen schraeg von hinten sind zum Kotzen. Wie stehts im Logbuch - 'Nur ein Seemann bricht leichter als die Wellen.' ;-).
Das Ziel vor Augen nimmt der Wind zu. Wir ankern um 1600 in der Bucht. Mit fast allem was wir an Ankerkette dabei haben und das ist eine Menge. Wolf hat hier schon Tage verbracht ohne Chance auf Weiterfahrt. Die Bucht ist gut, aber nicht sehr windgeschuetzt. Es gibt ab und an schon mal bis zu 80 Knoten hier. Das ist viel und schaukelt uns spaeter mehr als in den Schlaf. Den Landgang verschieben wir wegen zu heftigen Regenschauern und Sturm. Wir bekommen aber netten Besuch von einem Sturmvogelpaerchen. img_5969.jpg
Morgen steht die Etappe zum Kap bevor. Das Tief zieht hoffentlich nachts durch.

19.10.09 Caleta Martial (55°49'60" S; 67°16'60" W)
0700 Fruehstueck (eigentlich 0600, wir wollten frueh los, aber der Sturm hat uns ueberzeugt, liegen zu bleiben. Auch gut). Die Santa Maria ist schneebedeckt. 191020091903.jpgDer Windmesser zeigt bis zu 50 Knoten in der Bucht, wir richten uns auf einen Tag an Bord ein. Es ist kalt draussen. Bibliothek und Spiele werden gescannt. Wir haben Zeit fuer Mr. Snowman. img_5984.jpg Wir essen noch was.
Gegen 1000 wird es heller und der Wind laesst etwas nach. Die Windrichtung ist ideal, also entschliessen wir uns, zumindest Caleta Maxwell anzusteuern. Von dort aus ist es nicht mehr weit bis zum Kap. Die Bedingungen sind nicht ohne. Boeen bis 48 Knoten, starker Seegang. Mit zwei Reffs am Grossregel und gereffter Fok (trotzdem 7 Knoten Fahrt (!)) laesst sich die Santa Maria Australis immernoch super segeln. Wir stehen alle quer an Bord, der Wind peitscht den Regen uebers Deck, Wellen schlagen ueber Bug und Reling - bestes Segelwetter!!!
Und es wird noch besser. Als wir Maxwell passieren, scheint die Sonne. Kap Horn, wir kommen!

Kap Horn (55°58'47" S; 67°16'18" W)
Wir erreichen die offene See. Ok, DAS ist gaaanz was anderes. Pazifik und Atlantik treffen aufeinander. Die Wellen, vorher zwei drei Meter haben hier in der Regel fuenf, vielleicht sechs. Es ist schwierig zu sagen, da sich alles bewegt, nur noch Wellen ueberall. Vor uns nichts als blau in allen Toenen. Mit dem Wind fast im Ruecken gehts auf den im Schnee glitzernden Felsen zu, das Cabo de Hornos.

img_5997.jpg
Albatrosse ueberall, die Santa Maria wird durchgeschuettelt, der Blick auf das Navi zeigt 10 Knoten, nett!

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img_6122.jpg

Leider keine Chance auf Landgang, um der chilenischen Leuchturmcrew einen Besuch abzustatten.

img_6111.jpg

Es ist auch so unbeschreiblich, ein echter Hoehepunkt unserer Reise. Wir trinken Champus, das Schiff faehrt quasi allein, eine Hand am Ruder, viel Verkehr gibt es hier auch nicht.

p1080112.JPG Wir sind im Moment wahrscheinlich das suedlichste Segelboot der Welt, was will man mehr! ;-).
161020091879.jpg Der stolze Skipper (schon ueber 100 Mal hier gewesen) sitzt auf seinem Lieblinsplatz und meint nur: 'Ich mag das Boot!'

Der Rueckweg ist schoen, der Wind verlaesst uns nicht mehr und wir erreichen Caleta Martial am fruehen Abend. Die Sicht betraegt keine 100 Meter mehr, als wir einlaufen. Ein erneut perfekter Segeltag geht zu Ende.

20.10.09 Caleta Martial (55°49'60" S; 67°16'60" W)
0700 Fruehstueck. 1000 Mit Motoren in Richtung Lennox, vielleicht weiter, bevor der Wind dreht. Wir funken die Marinestation an und erkundigen uns nach der lokalen Windprognose: bei ihnen 20-30 Knoten, easy. Wolf meint, es sind dann sicher ein paar mehr.
Mit Reffs in Fok und Gross gehts weiter. Melanie steht am Steuer, kaempft. img_6295.jpg (Aber ein Laecheln fuers Foto). Kein Wunder, Boeen bis 68 Knoten (Hurricane-Staerke!!!)! Wolf schmunzelnd: 'Die Jungs in Lennox sollten den Windmesser mal in den Wind stellen, der steht im Moment naemlich hinterm Haus.'
Es ziehen immer wieder kleine Schneefelder mit sehr kraeftigem Wind durch. Fast 70 Knoten, zzz, unfassbar.
Der Tag wird lang, es gibt kleine Haeppchen, Tomi sei dank. Wir fuehlen uns wie zu Hause.
Die Stimmung ist super und als wir die letzte Schneefront hinter uns lassen, springen die ersten Delfine am Bug. Die Tuemmler begleiten uns tanzend bis Lennox.
Wir ankern in einer kleinen romantischen Bucht auf Picton, einer Insel im Beagle Kanal.

21.10.09 Caleta Banner (55°1' S; 66°55'60" W)
0800 Fruehstueck. Ein entspannter Tag. Wir machen einen Landausflug bis zum See, an dem man Bieber beobachten kann. Wilde Natur (ueberall! ;-) ), Enten, Ibisse...
Wir stechen gegen 1200 in See. Leider mit Motor, der Wind hat gedreht, Westwind.
Danach gehts zurueck nach Puerto Williams. Abends hat sich Tomi ueberreden lassen, argentinisches Asado zu machen. Wir sind in Wolfs frueherem Zuhause eingeladen. Argentinisches Asado heisst im Vergleich zum deutschen Grillen warten.
Waehrend wir gierigen Mitteleuropaer das Fleisch 10 Minuten auf den Grill schmeissen, ist das hier eine langsame, sehr langsame Prozedur. Juergen ist skeptisch und geht erstmal Biernachschub holen. Nach fast zwei Stunden Brickett nach Brickett auflegen und Pusten: Sehr sehr lecker! Argentinier & Fleisch halt, Respekt! ;-)

atw-091021-chile-25-isla-navarino-puerto-williams.jpg

22.10.09 Rueckfahrt nach Ushuaia (54°48'44" S; 68°17'42" W)
0800 Fruehstueck. David setzt aus, war wohl zu viel ... Fleisch gestern, hihi. Oder Seegang?

Die weitere Rueckfahrt verlaeuft ruhig, wir passieren Schiffe und inzwischen Wracks, die hier gern mal versicherungstechnisch an Land gesetzt werden.
Highligt des Tages sind aber kleine Gefaehrten, die wir auf der Pinguinera besuchen. img_6475.jpg
Danach noch ein Abstecher zu den Seeloewen atw-091022-argentina-58-beagle-channel-los-lobos-to-ushuaia.jpg und Kormoranen.
Gegen 1500 laufen wir im Hafen ein.

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Eine traumhafte Woche geht zu Ende. Juergen ist quasi schon Kapitaen (er traeumt zumindest davon...) und Melanie muss vom Boot gezerrt werden, sie wuerd am liebsten gleich hier bleiben.

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Hier auch noch ein paar unserer Fotos auf Wolfs und Jeannetes Seite :-)